Zur Geschichte des Umformerwerkes

Das Umformerwerk Löwenberg wurde im Zuge der großen Strecken-Elektrifizierung der DDR im Dezember 1983 von der Deutschen Reichsbahn in Betrieb genommen.Es hatte die Aufgabe 110.000 Volt / 50 Hertz Landesstrom in 15.000 Volt 16 2/3 Hertz Bahnstrom umzuformen.

Der Bereich von Birkenwerder bis Fürstenberg wurde vom Umformerwerk Löwenberg exakt 20 Jahre bis 2004 zuverlässig mit Bahnstrom versorgt.Da die Automatisierung stetig voran schreitet wurde es überflüssig und stillgelegt.Es erfolgte der vollständige Rückbau aller technischen Anlagen.Im Jahr 2007 erfuhr ich vom geplanten Abriss und stellte ein schriftliches Interesse an dem Objekt, es vergingen Monate und Jahre, nach einem Beschwerdebrief an den Bahnchef Dr. Rüdiger Grube im Jahr 2010 passierte endlich was. Es folgten zähe Verhandlungen und eine europaweite Ausschreibung.

Umformerwerk Löwenberg Technick des Umformerwerks Löwenberg Umformerwer Löwenberg Seitenansicht Vandalismus am Gebäude

Am 01.10.2011 ging das Umformerwerk in meinem Besitz über, ein 2.000 qm großes entkerntes Gebäude ohne Energieversorgung und Wasseranschluss,die Heizung war verfroren,das Dach undicht, bergeweise Unrat und Graffiti-Sprayer gaben der Fassade den Rest. Mit unermüdlicher Hilfe meiner Großeltern aus Neuenhagen,Freunden und Familie wurde nach und nach in 3 Jahren alles neu aufgebaut und Instand gesetzt, dabei fasste ich den Beschluss meine DDR-Sammlung im Umformerwek unter zu bringen.

Fußbodenaufbau im Umformerwerk Das Gesamte Heizsystem war zerfraren Umformerwerk Löwenberg

Jetzt kam der Stein ins Rollen. Fast die vollständige Wohnungseinrichtung meiner Großeltern aus Rhinow,meine Moped und Fahrzeugsammlung und die Bahnexponate sind zu sehen. Nachdem sich meine Sammelleidenschaft rumsprach kamen sehr viele Sachspenden von Kollegen, Bekannten und Neulöwenbergern dazu, selbst aus dem Schwarzwald bekam ich DDR Produkte. Ehemalige Beschäftigte des Umformerwerks Löwenberg steuerten viele interessante Relikte bei und brachten sich beim Aufbau und der originalen Wiederherstellung von bestimmter Umformerwerkstechnik mit ein.Daraus ist eine stattliche Sammlung auf derzeit 600 qm entstanden, die viele Bereiche des DDR-Alltags, der Reichsbahn und der Reichsbahn-Umformerwerke widerspiegeln.

Vielen Dank an alle Helfer und Unterstützer.

Björn Kresz

Was ist ein Umformerwerk, und wie funktioniert es?

Ein dezentrales Umformerwerk formt aus dem 110 kV 50 Hz Landesnetz den benötigten Bahnstrom von 15 kV 16 2/3 Hz um. Das geschieht mittels fahrbarer Umformer, die auf einem siebenachsigen Eisenbahnfahrgestell aufgebaut sind. Seit 1966 werden bei der DR diese Synchron-Synchron-Umformer eingesetzt. Etwa 110 Exemplare des schwersten Einzelfahrzeuges (146,0 t) der DR wurden bis 1991 gebaut. Gleichzeitig entstand bei der DR mit der fortschreitenden Streckenelektrifizierung das Einheits-Umformerwerk, ein genormter Typenbau. Insgesamt gab es 30 Umformerwerke bei der DR. Bis zu vier Umformer standen im Umformerwerk, jeder hatte separat eine Umformerhalle, die von Schaltanlagen, der Schaltwarte, der Werkstatt- und Sozialräumen umgeben ist. In der Freiluftschaltanlage werden über 16 MVA Transformatoren die 110 kV 50 Hz auf 6,3 kV heruntergespannt , von dort aus geht der Strom in die Maschinenschaltanlage und dann in den Umformer. Der Umformer formt den Dreiphasen-Wechselstrom mit einer Frequenz von 50 Hz in Einphasen-Bahnstrom mit einer Frequenz von 16 2/3 Hz um. Im Umformer treibt ein 12-poliger Drehstrom-Synchronmotor mit einer Nennleistung von 9600 kVA bei 6300 V Klemmenspannung einen 4-poligen 16 2/3 Hz Einphasen-Synchrongenerator mit einer Nennleistung von 10000 kVA bei 5100 V an. Die 5,1 kV werden über Blocktransformatoren auf 15 kV herauftransformiert und über eine 15 kV Schaltanlage auf die Fahrleitungsanlage verteilt. Bei Ausfall der Eigenversorgung des Drehstromnetzes sorgte eine 220 V Batterieanlage dafür dass die 15 kV Schaltanlage und die Fernsteuerungsanlage der Oberleitungstrennschalter weiter funktionierten. Die wichtigsten Anlagen konnten somit für 5 Stunden weiter versorgt werden. Gleichzeitig ging ein Notstromaggregat ( NEA ) mit einer Nennleistung von 75 kVA in Betrieb um die Batterieanlage zu entlasten und weitere wichtige Einrichtungen im Umformerwerk, wie die Verdichteranlage, mit Drehstrom zu versorgen. Eine Einspeisung von 15 kV in die Fahrleitungsanlage war bei Netzausfall nicht möglich, bei Totalausfall konnte eine Durchschaltung der Versorgung von Bahnstrom von benachbarten Umformerwerken durchgeführt werden.

 

Zur Reduzierung der entstehenden Schwingungen im Betrieb werden die Stoßdämpfer, die Puffer und die Schraubenkupplungen des Umformerwagen abgebaut. Auch der Läuferhaltebolzen am motorseitigen Stehlager, welcher für einen Pufferstoß von 0,5 g ausgelegt ist, wird vor der Inbetriebnahme ausgebaut. Das Fahrgestell wird auf den Schienen festgelegt. Zur Kühlluftversorgung von Motor und Generator (16.000 m³ pro Stunde) im Betrieb werden Blechkanäle an den Umformer angebaut. Die Verschlussbleche zwischen Motor und Generator werden abgebaut. Das Anfahren des Umformers aus dem Stillstand bis zur Nenndrehzahl von 500 U/min dauert ca. 180 Sekunden. Dabei treten je nach Umformer recht große Schwingungen auf. Der Auslauf des Umformers bis zum Stillstand dauert ohne Bremsung durch Ständerkurzschluß am fremderregten Motor mehr als 90 Minuten. Zum An- und Abfahren der Umformer wird ab der 2. Umformergeneration planmäßig eine Automatik eingesetzt, die den Ablauf unabhängig von individueller Führung übernimmt. Durch das kurzschließen der Ständerwicklungen kann der rotierende Umformer nach etwa 7 Minuten zum stehen gebracht werden.

Die Ständermasse des Drehstrom-Synchronmotors beträgt 16 t, die Ständermasse des Einphasen-Synchrongenerators beträgt 40 t, die Läufermasse von Motor und Generator 56 t. Die Umformer-Nennleistung beträgt 10000 kVA, die Kurzzeitleistung (4/60 min) 17000 kVA. Die Gleichstrom-Erregermaschine hat eine Nennleistung von 45 kW bei einer Nennspannung von 105 V bei 430 A und wiegt 2 t

Von den 30 Umformerwerken der Deutschen Reichsbahn sind derzeit noch 6 in Betrieb,die Stillegung soll bis 2024 vollzogen sein.